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Historie zu 40 Jahre Judo Wiesloch


 

 

Aanatomie

 

Allgemeines/ Warnung

Jede Technik birgt natürlich auch diverse Gefahren für den Angreifer. Kein Angreifer ist unverletzbar. Und da wären wir auch schon bei einem Problem: wie stark muss ich meinen Angreifer verletzen? Das hängt sicher von der Intensität seines Angriffs, sowie unseren eigenen Fähigkeiten ab. Grundsätzlich will ich ja den Angriff so schnell wie möglich und unter Vermeidung eigener Verletzungen beenden. Das geht sicherlich mit der härtesten uns zur Verfügung stehenden Technik. Ob wir das rechtlich gesehen dürfen, ist die eine Frage. Ob wir das Ganze mit unserem Gewissen vereinbaren können die andere. Ein irreparabler Schaden ist schließlich schnell verursacht.
Dabei sollte insbesondere deutlich sein, was ein ´irreparabler Schaden´ sein kann. Das kann eine Lähmung sein, durchaus aber auch der Eintritt des Todes. Einen Angreifer ohne weiteres zum Invaliden zu machen, ist nun wirklich erkennbar nicht Sinn der Sache. Vor der Anwendung der Techniken sollte man sich daher im klaren sein, dass man trotz allem keine Sache vor sich hat, sondern einen Menschen aus Fleisch und Blut.
Das soll nun nicht bedeuten, dass der arme, arme Angreifer mit Samthandschuhen angefasst werden soll. Keinesfalls. Es soll nur an die Verhältnismäßigkeit der Mittel erinnern.

Übrigens: auch ein Angreifer wird wissen, dass es (diese) empfindlichen Stellen an unserem Körper gibt. Bei der Deckung sollte das auch stets berücksichtigt werden!


Trefferflächen

Welche Stellen am Körper des Angreifers sind besonders geeignet, um wirkungsvolle Treffer anzubringen? Nun, es sind nicht gerade wenige. Dabei gilt aber immer zu bedenken, dass durch einen Treffer auch dauerhafte Schäden angerichtet werden können. Hier werden nun ein paar Stellen aufgezeigt, die mit einem Schlag oder Tritt gut getroffen werden können. Davon zu trennen sind die Druckstellen, die mittels Griff angesprochen werden sollen.

Im einzelnen:

[1] Nase
Treffer ruft starke Schmerzen hervor, Augen fangen an zu tränen (also indirekte Wirkung auf Sicht des Angreifers)

[2] Ohren
neben der Geräuschkulisse Einwirkung auf Gleichgewichtsorgane

[3] Augenpartie
Beeinträchtigung der Sehfähigkeit, Schmerzen

[4] Mundpartie
die Lippenpartie sowie der Bereich zwischen Oberlippe und Nase sind schmerz- bzw. druckempfindlich

[5] Kinnpartie
bei einem Kinntreffer durch das 'Zurückschleudern' des Kopfes starke Belastung der Halswirbelsäule, Ähnlichkeit zum 'Schleudertrauma', Hirnprellung, Bewusstseinsstörungen, Störung der Atmung

[6] Magengrube
'die Luft bleibt weg', starke Schmerzen

[7] Nieren
Beeinträchtigung des Bluthaushalts, starke Schmerzen, Nierentrauma

[8] Hoden
starker, andauernder Schmerz, Hodenprellung

[9] Schienbein
recht schmerzempfindlich, Bruchgefahr!

[10] Kniekehle
Beeinträchtigung des 'sicheren Standes'

[11] Achillessehne
mittels Stampftritt (Hacken)

[12] Spann
durch Stampftritt (Hacken)
 

Auch wenn die Schaubilder einen männlichen Körper zeigen, ist der Einsatz der Techniken gegen die entsprechenden weiblichen Körperteile selbstverständlich ebenfalls effektiv.

Techniken gegen Gelenke, insbesondere Knie und Ellenbogen zeigen nur dann schwere Wirkung, wenn das Gelenk vom Angreifer durchgestreckt wird. Treffen wir auf ein angewinkeltes Knie oder Ellenbogen, so würden wir uns nur selbst verletzen.
 

Bild - Koerper/Front [13 kB] Bild - Koerper/Ruecken [14 kB]

 


Besonders gefährliche Stellen

Gegen gewisse besonders empfindliche Körperregionen sollte man Techniken wirklich nur als letztes Mittel anwenden. Welche Regionen dies vor allem sind, zeigt folgende Liste (die sicherlich nicht komplett ist):
 

[1] Schädel/ Fontanellen
Gefahr durch wuchtige Stöße und Schläge aller Art. Gefährlich auch Techniken, welche die Schläfe treffen. Möglich sind insgesamt Schädelfrakturen sowie gefährliche/lebensbedrohende Blutungen. Letztere müssen nicht sichtbar sein, sondern können auch ´verdeckt´ auftreten. Ebenfalls möglich sind Gehirnerschütterungen.

[2] Augen
Gefahr v.a. durch Schläge sowie im Falle des Ansetzen eines Stiches.
Ein regelrechtes ´Ausstechen´ der Augen mit einem Fingerstich wird wohl eher nicht möglich sein. Wohl aber kann durch Druckeinwirkung eine derart starke Deformation des Auges oder Schäden an der Netzhaut eintreten, dass dauerhafte Sehschäden zurückbleiben können. Ebenfalls möglich sind Frakturen der den Augapfel umgebenen dünnen Orbitalknochen mit Abriss von Nerven und Blutgefäßen.

[3] Nasenwurzel
Es wird behauptet, dass ein Handballenschlag 'von unten' ausgeführt durchaus dazu führen kann, dass die Nase nicht bricht, sondern sich 'nach oben' verschiebt. Oder der Nasenknochen splittert und Splitter dringen ins Hirn ein. Dies wird aber ins Reich der Legenden zu verbannen sein. Der Nasenknochen ist derart zerbrechlich, dass ein ´Hineinschieben´ in den Schädelinnenraum schon fast ausgeschlossen werden kann. Festzuhalten ist jedoch, dass der Nasenknochen bei einem starken Schlag zersplittern oder quasi in sich brechen wird. Dabei ist es möglich, dass es zu Rückstauprellungen kommen kann, welche sich bis in den Schädel fortsetzen können. Folge können Blutungen im Schädelraum sein, welche bestenfalls wie eine starke Gehirnerschütterung wirken werden, schlimmere Folgen nicht ausgeschlossen.

[4] Kehlkopf
Vor allem gefährdet durch Schläge. Beim Zusammenbruch des Kehlkopfes besteht akute Erstickungsgefahr. Gegenmaßnahmen: Luftröhrenschnitt. Jemand, der sich damit jedoch nie beschäftigt hat, sollte dies aber im Interesse des Opfers tunlichst unterlassen.

[5] Genick
Hier besteht Bruchgefahr bei Überlastung. Sollte eigentlich bei Abwehraktionen hier beschriebener Art nicht auftreten. Möglich dennoch bei sehr harten Techniken zum Hals.

[6] Sinusknoten
Durch Handtechniken zur Halsseite sind Herzfunktionsstörungen infolge eines kurzzeitig unterbrochenen Blutflusses möglich.

[7] Herzspitze
Durch heftigen Pressschlag ist ebenfalls denkbar, dass Herzfunktionsstörungen eintreten.

[8] Solarplexus
Durch harten Fauststoß/Tritt zur Körpermitte kann es zum Kreislaufkollaps, Ohnmacht oder zur Beeinträchtigung innerer Organe kommen. Der Solarplexus stellt einen der zentraler Nervenknotenpunkte des Körpers dar und ist daher besonders empfindlich.

[9] Hoden
Durch Tritt, aber auch Schläge und Griffe kann es zu bleibender Unfruchtbarkeit, aber auch zu Lähmungserscheinungen kommen. Durch harte Einwirkungen kann es zu Rissen der versorgenden Arterien kommen, welche massive Blutungen im Hodensack (oder des Beckbodens) nach sich ziehen können. Als Folge können auch Nervenbahnen geschädigt werden.
 

 

   

[Bild: Koerper, c.a. 10 kB]

sonstiges
Zu bedenken ist auch, dass viele innere Organe, vor allem Leber, Milz, aber auch Nieren, stark durchblutet sind. Werden solche Organe hart getroffen, so besteht die Gefahr von versteckten Blutungen, welche durch Aderrisse hervorgerufen werden. Solche inneren Blutungen sind eben aufgrund ihrer ´Unsichtbarkeit´ heimtückisch. Symptome können unter anderem Druckschmerzen, Übelkeit, ein fahles Äußeres, Schwindel, Erbrechen sein. Insgesamt besteht bei solchen Verletzungen die Gefahr, innerlich zu verbluten. Dieser Prozess kann sich über viele Tage entwickeln. Möglich ist auch, dass Adern zwar nicht reißen, wohl aber so stark beschädigt werden, dass es bei nochmaliger starker Belastung (z.B. beim Sport) zu Spontanrissen mit dann erfolgenden massiven Blutungen kommen kann. Auch diese Blutungen können schwerste Folgen bis hin zum Tod nach sich ziehen.


Selbstverständlich sollte sein, in Gefahrlagen auch dem Angreifer erste Hilfe zu leisten (so fern es die Situation zulässt). Gegebenenfalls Notarzt verständigen.
Zu den vergleichsweise harmlosen Zielen zählen die Kinnspitze, das Ohr (Gleichgewichtssinn!), die hintere Backengegend, Finger, Kniekehle oder Nase. Dennoch kann auch bei Schlägen gegen diese eine schwerwiegende Verletzung nicht ausgeschlossen werden. Auch bei solchen, vermeintlich harmlosen Techniken lieber einmal fragen, ob das denn zur Verteidigung wirklich sein muss. Es geht schließlich um Verteidigung, nicht um hirnlose Klopperei.


Druckempfindliche Stellen

Mit den Fingern oder spitzen/ stumpfen Gegenständen auf solche Stellen Druck auszuüben, ruft beim Gegenüber Schmerz hervor. Eine gute Gelegenheit, einen Griff zu lockern, oder ihn gar ganz zur Aufgabe seines Vorhabens zu bewegen. Besonders gute Wirkung kann durch hin- und herrubbeln ('massieren') auf dieser Stelle erreicht werden, da so nicht nur ein einmaliger Reiz geschaffen wird, sondern gleich mehrere. Einfach mal am eigenen Leib ausprobieren. Geeignet sind (z.B.):
 

  • Der Punkt, an dem Oberkiefer auf Unterkiefer treffen, genauer gesagt: ein Stück weiter hinten, etwa unter dem Ohrläppchen. Einfach mal mit einem Finger auf der Backe herumdrücken, bis ein Schmerz zu spüren ist.
     

  • Wenn man einmal das Brustbein mit dem Finger Richtung Kehle emporfährt, taucht der Finger irgendwann, wenn das Ende erreicht ist, in eine Grube am Hals. Diese Stelle ist ebenfalls sehr angreifbar und empfindlich. Dabei handelt es sich um das Anfangsstück der Luftröhre, das zwischen Brustbeinoberseite und Kehlkopf gelegen etwa zwei bis drei Zentimeter unter der Haut ruht.
     

  • Am seitlichen Halsansatz ist ein ebenfalls sehr empfindlicher Punkt zu finden. Einfach mal den Daumen an den Halsansatz legen und die Schulter hochziehen. Dann ein wenig an dem Muskel suchen, der gerade angespannt wurde. Bei Massagen wird diese Stelle auch gern angegangen - nur eben sanft. Ein herzhafter Griff ist allerdings ziemlich unangenehm.
     

  • An den Oberarm-Innenseiten, und zwar dort, wo zwischen Bizeps und Knochen gegriffen werden kann. Greift man dort (knapp unterhalb der Achsel) zu oder drückt den Daumen herein, verursacht das nicht nur Schmerzen, sondern klemmt gleichzeitig die Ader ab, die für die Blutversorgung des Armes zuständig ist. Kann das länger durchgehalten werden, wird der Arm des Angreifers taub, sein Griff lockert sich.
     

  • Unangenehm ist auch ein kräftiger, einschneidender, sich hin- und herbewegender Griff zum Puls. Die Griffkraft wird dadurch geschwächt. Schmerzhaft ist auch der 'massierende' Griff in die Armbeuge bzw. die Kniebeuge.
     

  • Am Fuß, genauer: 'schräg unterhalb' der Archillessehne, an der Grenze zum Hacken, befindet sich ein weiterer sehr empfindlicher Punkt. Einfach mal ein wenig die Gegend am eigenen Hacken 'durchkneten'. Der Punkt macht sich schon bemerkbar...


Tipps

Nicht alle der genannten Stellen sind gleich gut geeignet. Folgendes ist zu bedenken:
 

  • Je kleiner das Ziel bzw. der Druckpunkt ist, desto schwerer ist er zu treffen. Dies gilt umso mehr, als im Falle der Verteidigungssituation kaum geregelte Bewegungsabläufe zustande kommen werden, sondern alles in einer Art ´Kuddelmuddel´ ablaufen wird. Somit kann z.B. der Solarplexus nicht als Ziel erster Güte bezeichnet werden. Gerade (trainingstechnisch gesehen) 'Anfänger' sollten sich großflächige, leicht zu erreichende Ziele aussuchen, z.B. die Halsgegend (Warnung! Kehlkopfzusammenbruch, s.o.!), das Gesicht oder empfindliche Teile des Beines.
     

  • Die Hoden sind nicht immer ein so gutes Ziel, wie oftmals angenommen wird. Jeder Mann wird wissen, wie schmerzhaft ein Treffer dort ist. Deshalb wird diese Stelle instinktiv gut gedeckt sein. Davon abgesehen ist aber auch ein erfolgloser Versuch eines solchen Trittes besser als gar keine Aktion, da in jedem Falle der Angreifer defensiv tätig sein muss. Und wer sich verteidigt, kann schlecht, bzw. schlechter angreifen.
     


 
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