|
| |
Aanatomie
Allgemeines/ Warnung
Jede Technik birgt natürlich auch diverse
Gefahren für den Angreifer. Kein Angreifer ist unverletzbar. Und da wären wir
auch schon bei einem Problem: wie stark muss ich meinen Angreifer verletzen? Das
hängt sicher von der Intensität seines Angriffs, sowie unseren eigenen
Fähigkeiten ab. Grundsätzlich will ich ja den Angriff so schnell wie möglich und
unter Vermeidung eigener Verletzungen beenden. Das geht sicherlich mit der
härtesten uns zur Verfügung stehenden Technik. Ob wir das rechtlich gesehen
dürfen, ist die eine Frage. Ob wir das Ganze mit unserem Gewissen vereinbaren
können die andere. Ein irreparabler Schaden ist schließlich schnell verursacht.
Dabei sollte insbesondere deutlich sein, was ein ´irreparabler Schaden´ sein
kann. Das kann eine Lähmung sein, durchaus aber auch der Eintritt des Todes.
Einen Angreifer ohne weiteres zum Invaliden zu machen, ist nun wirklich
erkennbar nicht Sinn der Sache. Vor der Anwendung der Techniken sollte man sich
daher im klaren sein, dass man trotz allem keine Sache vor sich hat, sondern
einen Menschen aus Fleisch und Blut.
Das soll nun nicht bedeuten, dass der arme, arme Angreifer mit Samthandschuhen
angefasst werden soll. Keinesfalls. Es soll nur an die Verhältnismäßigkeit
der Mittel erinnern.
Übrigens: auch ein Angreifer wird wissen, dass
es (diese) empfindlichen Stellen an unserem Körper gibt. Bei der Deckung sollte
das auch stets berücksichtigt werden!
Trefferflächen
Welche Stellen am Körper des Angreifers sind
besonders geeignet, um wirkungsvolle Treffer anzubringen? Nun, es sind nicht
gerade wenige. Dabei gilt aber immer zu bedenken, dass durch einen Treffer auch
dauerhafte Schäden angerichtet werden können. Hier werden nun ein paar Stellen
aufgezeigt, die mit einem Schlag oder Tritt gut getroffen werden können. Davon
zu trennen sind die Druckstellen, die mittels Griff angesprochen werden sollen.
Im einzelnen:
|
[1] Nase
Treffer ruft starke Schmerzen hervor, Augen fangen an zu tränen (also
indirekte Wirkung auf Sicht des Angreifers)
[2] Ohren
neben der Geräuschkulisse Einwirkung auf Gleichgewichtsorgane
[3] Augenpartie
Beeinträchtigung der Sehfähigkeit, Schmerzen
[4] Mundpartie
die Lippenpartie sowie der Bereich zwischen Oberlippe und Nase sind
schmerz- bzw. druckempfindlich
[5] Kinnpartie
bei einem Kinntreffer durch das 'Zurückschleudern' des Kopfes starke
Belastung der Halswirbelsäule, Ähnlichkeit zum 'Schleudertrauma',
Hirnprellung, Bewusstseinsstörungen, Störung der Atmung
[6] Magengrube
'die Luft bleibt weg', starke Schmerzen
[7] Nieren
Beeinträchtigung des Bluthaushalts, starke Schmerzen, Nierentrauma
[8] Hoden
starker, andauernder Schmerz, Hodenprellung
[9] Schienbein
recht schmerzempfindlich, Bruchgefahr!
[10] Kniekehle
Beeinträchtigung des 'sicheren Standes'
[11] Achillessehne
mittels Stampftritt (Hacken)
[12] Spann
durch Stampftritt (Hacken)
Auch wenn die Schaubilder einen männlichen
Körper zeigen, ist der Einsatz der Techniken gegen die entsprechenden
weiblichen Körperteile selbstverständlich ebenfalls effektiv.
Techniken gegen Gelenke, insbesondere Knie
und Ellenbogen zeigen nur dann schwere Wirkung, wenn das Gelenk vom
Angreifer durchgestreckt wird. Treffen wir auf ein angewinkeltes Knie oder
Ellenbogen, so würden wir uns nur selbst verletzen.
|
|
Besonders gefährliche
Stellen
Gegen gewisse besonders empfindliche
Körperregionen sollte man Techniken wirklich nur als letztes Mittel anwenden.
Welche Regionen dies vor allem sind, zeigt folgende Liste (die sicherlich nicht
komplett ist):
|
[1] Schädel/ Fontanellen
Gefahr durch wuchtige Stöße und Schläge aller Art. Gefährlich auch
Techniken, welche die Schläfe treffen. Möglich sind insgesamt
Schädelfrakturen sowie gefährliche/lebensbedrohende Blutungen. Letztere
müssen nicht sichtbar sein, sondern können auch ´verdeckt´ auftreten.
Ebenfalls möglich sind Gehirnerschütterungen.
[2] Augen
Gefahr v.a. durch Schläge sowie im Falle des Ansetzen eines Stiches.
Ein regelrechtes ´Ausstechen´ der Augen mit einem Fingerstich wird wohl eher
nicht möglich sein. Wohl aber kann durch Druckeinwirkung eine derart starke
Deformation des Auges oder Schäden an der Netzhaut eintreten, dass
dauerhafte Sehschäden zurückbleiben können. Ebenfalls möglich sind Frakturen
der den Augapfel umgebenen dünnen Orbitalknochen mit Abriss von Nerven und
Blutgefäßen.
[3] Nasenwurzel
Es wird behauptet, dass ein Handballenschlag 'von unten' ausgeführt
durchaus dazu führen kann, dass die Nase nicht bricht, sondern sich 'nach
oben' verschiebt. Oder der Nasenknochen splittert und Splitter dringen ins
Hirn ein. Dies wird aber ins Reich der Legenden zu verbannen sein. Der
Nasenknochen ist derart zerbrechlich, dass ein ´Hineinschieben´ in den
Schädelinnenraum schon fast ausgeschlossen werden kann. Festzuhalten ist
jedoch, dass der Nasenknochen bei einem starken Schlag zersplittern oder
quasi in sich brechen wird. Dabei ist es möglich, dass es zu
Rückstauprellungen kommen kann, welche sich bis in den Schädel fortsetzen
können. Folge können Blutungen im Schädelraum sein, welche bestenfalls wie
eine starke Gehirnerschütterung wirken werden, schlimmere Folgen nicht
ausgeschlossen.
[4] Kehlkopf
Vor allem gefährdet durch Schläge. Beim Zusammenbruch des Kehlkopfes
besteht akute Erstickungsgefahr. Gegenmaßnahmen: Luftröhrenschnitt. Jemand,
der sich damit jedoch nie beschäftigt hat, sollte dies aber im Interesse des
Opfers tunlichst unterlassen.
[5] Genick
Hier besteht Bruchgefahr bei Überlastung. Sollte eigentlich bei
Abwehraktionen hier beschriebener Art nicht auftreten. Möglich dennoch bei
sehr harten Techniken zum Hals.
[6] Sinusknoten
Durch Handtechniken zur Halsseite sind Herzfunktionsstörungen infolge
eines kurzzeitig unterbrochenen Blutflusses möglich.
[7] Herzspitze
Durch heftigen Pressschlag ist ebenfalls denkbar, dass
Herzfunktionsstörungen eintreten.
[8] Solarplexus
Durch harten Fauststoß/Tritt zur Körpermitte kann es zum
Kreislaufkollaps, Ohnmacht oder zur Beeinträchtigung innerer Organe kommen.
Der Solarplexus stellt einen der zentraler Nervenknotenpunkte des Körpers
dar und ist daher besonders empfindlich.
[9] Hoden
Durch Tritt, aber auch Schläge und Griffe kann es zu bleibender
Unfruchtbarkeit, aber auch zu Lähmungserscheinungen kommen. Durch harte
Einwirkungen kann es zu Rissen der versorgenden Arterien kommen, welche
massive Blutungen im Hodensack (oder des Beckbodens) nach sich ziehen
können. Als Folge können auch Nervenbahnen geschädigt werden.
|
|
![[Bild: Koerper, c.a. 10 kB]](man.jpg)
sonstiges
Zu bedenken ist auch, dass viele innere Organe, vor allem Leber, Milz, aber
auch Nieren, stark durchblutet sind. Werden solche Organe hart getroffen, so
besteht die Gefahr von versteckten Blutungen, welche durch Aderrisse
hervorgerufen werden. Solche inneren Blutungen sind eben aufgrund ihrer
´Unsichtbarkeit´ heimtückisch. Symptome können unter anderem Druckschmerzen,
Übelkeit, ein fahles Äußeres, Schwindel, Erbrechen sein. Insgesamt besteht
bei solchen Verletzungen die Gefahr, innerlich zu verbluten. Dieser Prozess
kann sich über viele Tage entwickeln. Möglich ist auch, dass Adern zwar
nicht reißen, wohl aber so stark beschädigt werden, dass es bei nochmaliger
starker Belastung (z.B. beim Sport) zu Spontanrissen mit dann erfolgenden
massiven Blutungen kommen kann. Auch diese Blutungen können schwerste Folgen
bis hin zum Tod nach sich ziehen. |
Selbstverständlich sollte sein, in Gefahrlagen
auch dem Angreifer erste Hilfe zu leisten (so fern es die Situation zulässt).
Gegebenenfalls Notarzt verständigen.
Zu den vergleichsweise harmlosen Zielen zählen die Kinnspitze, das Ohr
(Gleichgewichtssinn!), die hintere Backengegend, Finger, Kniekehle oder Nase.
Dennoch kann auch bei Schlägen gegen diese eine schwerwiegende Verletzung nicht
ausgeschlossen werden. Auch bei solchen, vermeintlich harmlosen Techniken lieber
einmal fragen, ob das denn zur Verteidigung wirklich sein muss. Es geht
schließlich um Verteidigung, nicht um hirnlose Klopperei.
Druckempfindliche Stellen
Mit den Fingern oder spitzen/ stumpfen
Gegenständen auf solche Stellen Druck auszuüben, ruft beim Gegenüber Schmerz
hervor. Eine gute Gelegenheit, einen Griff zu lockern, oder ihn gar ganz zur
Aufgabe seines Vorhabens zu bewegen. Besonders gute Wirkung kann durch hin- und
herrubbeln ('massieren') auf dieser Stelle erreicht werden, da so nicht nur ein
einmaliger Reiz geschaffen wird, sondern gleich mehrere. Einfach mal am eigenen
Leib ausprobieren. Geeignet sind (z.B.):
-
Der Punkt, an dem Oberkiefer auf Unterkiefer
treffen, genauer gesagt: ein Stück weiter hinten, etwa unter dem Ohrläppchen.
Einfach mal mit einem Finger auf der Backe herumdrücken, bis ein Schmerz zu
spüren ist.
-
Wenn man einmal das Brustbein mit dem Finger
Richtung Kehle emporfährt, taucht der Finger irgendwann, wenn das Ende
erreicht ist, in eine Grube am Hals. Diese Stelle ist ebenfalls sehr
angreifbar und empfindlich. Dabei handelt es sich um das Anfangsstück der
Luftröhre, das zwischen Brustbeinoberseite und Kehlkopf gelegen etwa zwei bis
drei Zentimeter unter der Haut ruht.
-
Am seitlichen Halsansatz ist ein ebenfalls
sehr empfindlicher Punkt zu finden. Einfach mal den Daumen an den Halsansatz
legen und die Schulter hochziehen. Dann ein wenig an dem Muskel suchen, der
gerade angespannt wurde. Bei Massagen wird diese Stelle auch gern angegangen -
nur eben sanft. Ein herzhafter Griff ist allerdings ziemlich unangenehm.
-
An den Oberarm-Innenseiten, und zwar dort, wo
zwischen Bizeps und Knochen gegriffen werden kann. Greift man dort (knapp
unterhalb der Achsel) zu oder drückt den Daumen herein, verursacht das nicht
nur Schmerzen, sondern klemmt gleichzeitig die Ader ab, die für die
Blutversorgung des Armes zuständig ist. Kann das länger durchgehalten werden,
wird der Arm des Angreifers taub, sein Griff lockert sich.
-
Unangenehm ist auch ein kräftiger,
einschneidender, sich hin- und herbewegender Griff zum Puls. Die Griffkraft
wird dadurch geschwächt. Schmerzhaft ist auch der 'massierende' Griff in die
Armbeuge bzw. die Kniebeuge.
-
Am Fuß, genauer: 'schräg unterhalb' der
Archillessehne, an der Grenze zum Hacken, befindet sich ein weiterer sehr
empfindlicher Punkt. Einfach mal ein wenig die Gegend am eigenen Hacken
'durchkneten'. Der Punkt macht sich schon bemerkbar...
Tipps
Nicht alle der
genannten Stellen sind gleich gut geeignet. Folgendes ist zu bedenken:
-
Je kleiner das Ziel bzw. der Druckpunkt ist,
desto schwerer ist er zu treffen. Dies gilt umso mehr, als im Falle der
Verteidigungssituation kaum geregelte Bewegungsabläufe zustande kommen werden,
sondern alles in einer Art ´Kuddelmuddel´ ablaufen wird. Somit kann z.B. der
Solarplexus nicht als Ziel erster Güte bezeichnet werden. Gerade
(trainingstechnisch gesehen) 'Anfänger' sollten sich großflächige, leicht zu
erreichende Ziele aussuchen, z.B. die Halsgegend (Warnung!
Kehlkopfzusammenbruch, s.o.!), das Gesicht oder empfindliche Teile des Beines.
-
Die Hoden sind nicht immer ein so gutes Ziel,
wie oftmals angenommen wird. Jeder Mann wird wissen, wie schmerzhaft ein
Treffer dort ist. Deshalb wird diese Stelle instinktiv gut gedeckt sein. Davon
abgesehen ist aber auch ein erfolgloser Versuch eines solchen Trittes besser
als gar keine Aktion, da in jedem Falle der Angreifer defensiv tätig sein
muss. Und wer sich verteidigt, kann schlecht, bzw. schlechter angreifen.
|